So rüstet Baerlocher in Lingen auf: 3,3 Millionen Euro für den modernsten Brandschutz
Chemieunternehmen investiert
Das Chemieunternehmen Baerlocher investiert in Lingen 3,3 Millionen Euro in den Brandschutz. Nach der Aufrüstung im großen Stil gilt die Werkfeuerwehr nun als Vorreiter. Im Hinterkopf der Verantwortlich dabei: ein Unglück vor 30 Jahren.
Der Lingener Standort übernimmt in der weltweit agierenden Baerlocher-Gruppe, die sich auf Zusatzstoffe (Additive) für die kunststoffverarbeitende Industrie spezialisiert hat, eine wichtige Rolle. So gilt das 1978 in Betrieb genommene Werk im Lingener Industriepark nach Unternehmensangaben weltweit als Vorreiterbetrieb, was Qualität und hohe Produktionsstandards anbelangt. Eine Vorreiterrolle dürfte das Werk mit seinen aktuell rund 250 Mitarbeitern nun auch im Brandschutz einnehmen.
Das Unternehmen hat nach Angaben des stellvertretenden Werk- und Produktionsleiters Mario Kock in den vergangenen fünf Jahren 3,3 Millionen Euro in ein neues Spezialfahrzeug und eine neue Brandmeldeanlage auf dem Werkgelände investiert. Die Investitionen komplettieren nun die Grundsanierung und den Teilneubau des Gerätehauses für die 60 Mann starke Werkfeuerwehr
Die stetig weitergebildeten Mitglieder der Werkfeuerwehr, die im Werk in allen Bereichen arbeiten, haben dort nun ideale Einsatz- und Arbeitsbedingungen. 40 Stunden werden die Mitglieder der Wehr pro Jahr ausbildungstechnisch auf den neuesten Stand gebracht. „Die Qualifizierung läuft analog zu der Ausbildung in den emsländischen Feuerwehren. Die Ausbildung und die erworbenen Qualifikationen werden daher auch gegenseitig anerkannt“, erklärt der stellvertretende Leiter der Werkfeuerwehr, Daniel Herbers. In Personalunion ist er auch Lingens stellvertretender Stadtbrandmeister.
Der für die Werkfeuerwehr zuständige stellvertretende Werkleiter Kock ergänzt: „Wir sind immer froh, wenn ein Bewerber auch in seiner Freizeit in der Feuerwehr aktiv und bereits ausgebildet ist. Atemschutztauglich sollte ein Bewerber aber auf jeden Fall sein, da legen wir Wert drauf.“ Aktuell sind es nur männliche Mitglieder, auf die ersten weiblichen Mitglieder ist die Wehr mit einer eigenen Umkleide samt Sanitär- und Duschbereich aber schon vorbereitet.
Der Ablauf bei einem Einsatz
Im Einsatzfall erhalten die Einsatzkräfte im Gerätehaus jetzt bereits direkt nach dem Eingang auf einem großen Monitor erste Informationen über den Einsatzort und die Art des Einsatzes.
Durch den Flur geht es in die großzügig dimensionierten Umkleiden, wo die Kleidung übersichtlich in belüfteten Spinden griffbereit liegt. Umgezogen geht es in die Fahrzeughalle. „Das ist der einzige Bereich, der vom früheren Feuerwehrhaus geblieben ist. Die Halle ist aber grundsaniert und auf dem neuesten technischen Stand“, ergänzt der Leiter der Werkfeuerwehr, Torsten Hitzegrad, bei einem Rundgang durch das Gebäude.
In der Halle selbst steht ein modernes Löschgruppenfahrzeug aus dem Jahr 2022. „Das LF 20 ist für die Brandbekämpfung ausgerüstet, hat aber auch Teilkomponenten für Gefahrgut wie Chemikalienschutzanzüge, Dichtkissen oder eine Gefahrgutpumpe an Bord“, ergänzt Daniel Herbers. Beide Leiter der Wehr sind auch hauptberuflich für den Gefahrenschutz im Werk zuständig.
Damit die Mitglieder der Wehr genau wissen, wo sich gerade ein Brand entwickelt, ist im Werk eine neue Brandmeldeanlage auf dem modernsten Stand installiert worden. Eine Atemschutzwerkstatt, modernisierte Büros und ein Besprechungs- und Schulungsraum, in dem bei einer größeren Einsatzlage der Krisenstab ideale Arbeitsbedingungen vorfindet, ergänzen das neue Feuerwehrhaus.
Im Fall eines Unglücks ist die Werkfeuerwehr damit bestens aufgestellt. Denn bei allen Vorsichtsmaßnahmen blieb auch Baerlocher in den vergangenen Jahrzehnten von Unglücksfällen nicht verschont.
Größtes Unglück liegt 30 Jahre zurück
Das größte Unglück liegt inzwischen 30 Jahre zurück: Ein Großbrand, bei dem ein Feuerwehrmann leicht verletzt wurde, beschädigte am 16. Juni 1996 das zentrale Produktionsgebäude. Der Schaden belief sich seinerzeit auf rund 25 Millionen Euro. „Für 48 Stunden stellte sich damals die Standortfrage“, beschrieb Produktionsleiter Kock 2023 bei den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen von Baerlocher den Ernst der Situation. Das soll sich nicht wiederholen.
Bild: Baerlocher


