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RWE-Gaskraftwerk Lingen und Stadtwerke unterzeichnen Absichtserklärung für Fernwärmenetz

2022 können erste Unternehmen im IndustriePark von Fernwärmeanschluss profitieren

Bei der Stromproduktion im RWE-Gaskraftwerk Lingen fällt viel Wärme an. Bislang wurde
diese kaum genutzt. Doch das soll sich ändern: Die Stadtwerke Lingen planen, ein Fernwärmenetz
aufzubauen. Zunächst sollen einzelne Baugebiete und die Innenstadt angeschlossen werden.

 

"RWE erzeugt Wärme und wir übernehmen die Verteilung", fasste Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Martin Gall den Inhalt einer jetzt unterzeichneten Absichtserklärung zusammen. 2022 sollen die ersten gewerblichen Kunden im Industriepark Lingen-Süd einen Fernwärmeanschluss bekommen. Ein Jahr später soll das Areal am Alten Hafen folgen. Um die Versorgung dort schon jetzt sicherzustellen, ist zunächst geplant, an den Emslandhallen ein Blockheizkraftwerk zu errichten. Dieses soll das Areal zunächst mit Nahwärme versorgen, bis der Fernwärmeanschluss dort fertiggestellt sein wird. "Wir fangen zunächst mit kleinen Inselgebieten an", erläuterte Gall. Dazu gehörten die Neubaugebiete in Brockhausen und am Hessenweg.

Langfristig Wärme aus Wasserstoffproduktion

Doch nicht nur das Gaskraftwerk erzeugt bei der Stromgewinnung Wärme, auch wenn dessen Blöcke angesichts des Kohle- und Atomausstieges laut Kraftwerksleiter Hartmut Frank "mehr in den Fokus rücken". In zehn Jahren sei die Elektrolyse zur Erzeugung grünen Wasserstoffs in Lingen am laufen. "Auch hierbei entsteht nutzbare Abwärme", sagte Gall. Die Stadtwerke wollten jetzt schon die Infrastruktur schaffen, um diese Wärme in die Innenstadt zu bringen. "Dort haben wir genug Potenzial, dass sich so eine lange Leitung rechnet", erklärte der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Auch Bestandsgebäude versorgen

Preislich hat Gall den Anspruch, mit anderen Energieträgern in den Wettbewerb treten zu können. Zudem möchten die Stadtwerke nicht nur neue Häuser, sondern auch Bestandsgebäude mit Fernwärme versorgen. Es sei Absicht der Europäischen Union, dass die Verwendung fossiler Brennstoffe bis 2050 ganz eingestellt werde.

Versorgungsgrad von über 75 Prozent angestrebt 

Heiko Eisert, bei RWE Generation für die Standortentwicklung zuständig, betonte, dass RWE eine durchgehende und ausreichende Versorgung mit Fernwärme sicherstellen kann: "Das Gaskraftwerk verfügt über mehrere voneinander unabhängige Erzeuger." Zudem erzeuge der Kraftwerksstandort eine Wärmeleistung von 4000 Megawatt. Damit sei zu der laut Gall geplanten Abnahme von 20 bis 30 Megawatt Wärmeleistung eine vielfache Redundanz vorhanden. Langfristig strebt RWE nach den Worten von Eisert einen Versorgungsgrad von über 75 Prozent durch Kraft-Wärme-Kopplung an.

Enge Zusammenarbeit mit der Stadt Lingen

Auch die Stadtwerke wollen ein langfristiges Konzept aufbauen. "Wir wollen nicht Gas- und Fernwärmeleitungen zusammen in die Straße legen", erklärte Gall. Denn eine solche Vielfalt koste Geld. Zudem solle der Aufbau des Fernwärmenetzes in enger Abstimmung mit der Stadt Lingen erfolgen. "Schließlich wollen wir nicht frisch sanierte Straßen wieder aufreißen", kündigte Gall an.

 

 

Quelle: Lingener Tagespost, https://www.noz.de/artikel/2075282

Foto: Wilfried Roggendorf/Stadtwerke Lingen