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So will Benteler in Lingen CO2-arm produzieren

2000 Tonnen Elektrostahl am Tag

Seit 50 Jahren wird im Stahlwerk von Benteler im Industriepark Lingen-Süd mit einem Elektrolichtbogenofen produziert. Dies ist umweltfreundlicher als im herkömmlichen Hochofen. Benteler möchte die CO2-Emissionen noch weiter senken. Wie, erklärt das Unternehmen bei einem Rundgang.

 

1974 hat in Lingen die Stahlproduktion bei Benteler begonnen. Herkömmliche Hochöfen wurden damals ausschließlich mit Öl, Gas oder Kohle betrieben. Benteler setze in Lingen hingegen von Anfang an auf Strom als primären Energieträger und betreibt hier seit 50 Jahren einen Elektrolichtbogenofen. Das spart CO2-Emissionen - und der Stahl aus Lingen soll noch „grüner“ werden.

 

„Die CO2-Emissionen sind je Tonne Stahl dabei um 75 Prozent niedriger als beim Hochofen“, sagt Werkleiter Andreas Stadtherr. Wegen des hohen Strompreises sei Stahl aus dem Hochofen kostenmäßig noch günstiger. „Aber unsere Kunden haben eigene Nachhaltigkeitsziele und möchten den CO2-Fußabdruck des Stahlwerkes haben“, fügt Stadtherr hinzu.

 


In fünf Minuten so viel Strom wie ein Haus im ganzen Jahr

Für Benteler ist das Grund genug, die CO2-Emissionen bei seiner Produktion weiter zu senken. Ein Weg wäre die Umstellung auf grünen Strom aus erneuerbaren Energien. „Wir wollen bis 2030 komplett auf grünen Strom umstellen“, kündigt Stadtherr an. Den so produzierten Stahl nennt das Unternehmen CliMore, bislang wird dieser in zwei Stufen angeboten, eine dritte ist geplant. Diese unterscheiden sich in den verwendeten Energiearten.

 

Der Stromverbrauch des Stahlwerks ist gewaltig. Stadtherr liefert einen Vergleich: „Ein Einfamilienhaus benötigt im Schnitt 5000 Kilowattstunden Strom im Jahr, wir im Lichtbogenofen 1000 je Minute.“

 

Eine weitere Möglichkeit, weniger CO2 auszustoßen, gibt es bei der Prozesswärme. Benteler setzt derzeit Erdgas als Energieträger ein. Die Umstellung auf grünen Wasserstoff, der als mittels regenerativer Energien gewonnen wird, könnte die Emissionen noch weiter senken. Das ist bei Benteler derzeit aber noch nicht möglich.

 

Benteler recycelt ausschließlich Stahlschrott

Zur ökologischen Bilanz trägt auch bei, dass im Stahlwerk Lingen kein Eisenerz eingeschmolzen wird. Benteler recycelt ausschließlich Stahlschrott. „Dabei ist es egal, ob der nur wenige oder hunderte von Jahren alt ist“, erklärt Stadtherr. Der Schrott wird zu 45 Prozent per Lkw, zu 30 Prozent mit dem Schiff und zu 25 Prozent mit der Bahn angeliefert. „Das Binnenschiff ist mit Blick auf die CO2-Bilanz die günstigste Art der Anlieferung“, sagt Stadtherr.

 

2500 Tonnen Schrott pro Tag benötigt

2500 Tonnen Schrott werden im Lingener Stahlwerk jeden Tag benötigt. „Der Lagerbestand beträgt zwischen 5000 und 10.000 Tonnen“, begründet Stadtherr, warum Benteler auf regelmäßige Anlieferung angewiesen ist.

 

Ist der Schrott erst einmal in den Korb geladen, der ihn zum Elektrolichtbogenofen bringt, geht es mit der Stahlproduktion schnell. Acht bis neun Stunden später verlässt er als frisch gegossener Stahl das Werk bereits wieder. Der Abtransport erfolgt ausschließlich mit der Bahn. „Zwei Züge á 1000 Tonnen Stahl verlassen täglich das Werk, also 2000 Tonnen pro Tag“, sagt Stadtherr. Zwei Drittel der Produktion werden bei Benteler Steel/Tube in anderen Werken konzernintern weiterverarbeitet. Ein Drittel geht an Fremdkunden.Benteler produziert in Lingen mit circa 260 Mitarbeitern Stahl mit unterschiedlichen Eigenschaften und Formen. Die Stranggussanlage kann Rund-, Quadrat- oder Rechteck-Knüppel gießen. Durch Zugabe von verschiedenen Stoffen entstehen beispielsweise gute zerspanbare oder wasserstoffbeständige und druckresistente Stähle.

 

85 Tonnen Stahl je Schmelzvorgang

Je Schmelzvorgang produziert Benteler 85 Tonnen Stahl. Hört sich nach viel an, ist aber laut Stadtherr deutlich weniger als bei normalen Hochöfen. „Dadurch haben wir bei der Produktion von kundenspezifischen Stählen eine hohe Flexibilität“, sagt der Werkleiter. Der Standort Lingen sei gut aufgestellt, auch wenn die Jahreskapazität von 650.000 Tonnen Stahl aktuell nicht voll ausgenutzt wird.

 

Benteler Elektrostahlwerk in Lingen: Die Schmelze wird durch verschiedene Messinstrumente geprüft.

 

Quelle: https://www.noz.de/47063230
Fotos: Lars Schröder/NOZ