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Drei Chefs hatte er – jetzt wird er selber einer

Helmut Höke zieht Bilanz als Wirtschaftsförderer in Lingen – Neuer Bürgermeister von Geeste

Wirtschaftsförderung steht weiter ganz oben auf der Tagesordnung. Von links: Helmut Höke, Oberbürgermeister Dieter Krone und Höke Nachfolger Ludger Tieke. Foto: Thomas PertzDrei Chefs hatte Helmut Höke, nun wird er selber einer: Ende dieser Woche scheidet der Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Liegenschaften der Stadt Lingen aus dem Amt aus und wird zum 1. November neuer Bürgermeister in Geeste.

 

Er habe die Aufgabe des Wirtschaftsförderers sehr gern ausgeübt, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir haben gemeinsam viel erreicht“, betont der 51-Jährige und das „Wir“ unterstreicht, dass der Biener so richtig noch nicht abgeschlossen hat mit seiner Tätigkeit im Lingener Rathaus.

 

Dort hat er drei Verwaltungschefs kennengelernt: Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring und die beiden Oberbürgermeister Heiner Pott und Dieter Krone. Mit allen dreien habe er sehr gut zusammengearbeitet, erinnert sich Höke. „Am meisten gelernt habe ich von Karl-Heinz Vehring. Er ist mein Lehrmeister gewesen“, beschreibt er die prägende Zeit mit dem früheren Oberstadtdirektor.

 

Auf die Wirtschaftsförderung bezogen, verweist Höke auf die Philosophie Vehrings, dass die Verfügung über Flächen die Voraussetzung dafür ist, Ideen und Pläne zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben in die Tat umzusetzen. „Wirtschaftsförderung und Grundstückserwerb gehören zusammen in der Verwaltung“, betont Höke. Früh habe Vehring damit die Weichen für die großen Industrieansiedlungen in Lingen in den Folgejahren gestellt.

 

Wie lässt sich die Arbeit des Wirtschaftsförderers einer Stadt von der Größenordnung Lingens beschreiben? „Der Wirtschaftsförderer ist ein Kümmerer“, fasst Höke ein umfassendes Betätigungsfeld zusammen: Kontaktpflege zu Unternehmen, gute Netzwerkarbeit in der Kommunalpolitik, Kommunikationsfähigkeit – wenn es sein muss, auch in plattdeutscher Sprache. Höke erinnert schmunzelnd an ein Grundstücksgeschäft, das erst dann zum Abschluss kam, als der Wirtschaftsförderer der Ehefrau des Besitzers und „heimlichen Chefin“ „up Platt“ die Vorzüge des Verkaufes überzeugend dargelegt hatte.

 

„Ein Kümmerer“

Muss der Wirtschaftsförderer in Lingen nicht bloß die paar großen Industriebetriebe der Stadt ein wenig hätscheln, und alles andere läuft und sprudelt von alleine – vor allem die Gewerbesteuereinnahmen? „Viele kümmern sich um den Erlkönig in ihrer Kommune, vergessen aber die anderen Unternehmen in der Stadt“, erklärt Höke. Dies sei aber der falsche Weg. Die Wirtschaftsförderung in Lingen lege immer auch viel Wert darauf, den Bestand an Betrieben zu pflegen, große wie kleine, und wo es Probleme gibt, nach Lösungen zu suchen. „Der Standort muss gut besprochen werden“, fasst er zusammen. Dazu gehören ausreichende Gewerbeflächen, aber auch weiche Standortfaktoren, wie Oberbürgermeister Krone betont: Ein attraktives Bildungsangebot und ein dicht geknüpftes Betreuungsnetz im Kindertagesstättenbereich gehören dazu.

 

Wenn es zum symbolischen „ersten Spatenstich“ bei einer Betriebsansiedlung kommt, weiß der Wirtschaftsförderer, wofür er sich in den letzten Wochen und Monaten ins Zeug gelegt hat. Helmut Höke hat viele solcher Spatenstiche erlebt. Sein Nachfolger Ludger Tieke, der aus dem Finanzdezernat kommt, arbeitet sich seit einigen Wochen in die neue Aufgabe ein. Zum 1. November tritt er sein neues Amt an. Das sei schon wie ein „Sprung ins kalte Wasser“, sagt der 44-Jährige. Der gelernte Diplom-Kaufmann ist aber selbstbewusst genug, gemeinsam mit seinem Team und mit dem Oberbürgermeister im Rücken die neuen Herausforderungen in der Wirtschaftsförderung anzugehen.

 

Die sind nicht von Pappe: Lingen muss den Energiestandort neu ausrichten. Hinter den Kulissen, dies wird im Gespräch mit Höke, Tieke und Krone deutlich, tut sich bereits eine Menge. Wirtschaftsförderung findet eben nicht auf dem öffentlichen Marktplatz statt, sondern häufig eher im Stillen, in vertraulichen Hintergrundgesprächen. Das Wort Karbon ist dort inzwischen häufiger zu hören.

 

Karbon Impulsgeber?

Ende 2016 soll die Produktion von Karbonfasern im Dralonwerk in Lingen beginnen. Die Rede ist von einer 150-Millionen-Euro-Investition. Noch ist nicht alles „in trockenen Tüchern“, aber die Planungen sind weit gediehen. Die Nachfrage nach diesem Produkt soll in den kommenden Jahren weltweit stark wachsen, nicht zuletzt durch den zunehmenden Einsatz in den industriellen Märkten wie der Automobilindustrie. Die Carbonproduktion könnte damit auch eine Initialzündung sein für weitere Betriebsansiedlungen im Industriepark. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Stadt nach den Worten Krones derzeit mit Hochdruck daran, dort weitere Flächen zusammenzulegen. „Großansiedlungen gibt es nicht von heute auf morgen, aber wir bleiben dran“, betont der Oberbürgermeister.

 

„Chancen, die wir sehen, müssen wir nutzen“, sagt auch Höke. Da ist es wieder, dieses Wort „Wir“. Helmut Höke habe die Wirtschaftsförderung mit viel Herzblut betrieben, dankt Krone dem 51-Jährigen. Mit Ludger Tieke sei die Kontinuität in der Wirtschaftsförderung gleichwohl gewahrt. Dessen Vorgänger wird Krone nun künftig als Geester Bürgermeisterkollege wiedersehen.

 

Die Wirtschaft in Lingen entwickelt sich positiv. Ein Beispiel ist das Gewerbegebiet an der Schillerstraße. Luftbild: Stadt Lingen/Richard Heskamp

 

Lingener Tagespost

Ausgabe vom 27.10.2014

Ressort Lokales